SAP-Berater: Der coolste Job nach Tourismusmanager und Bierbrauer | T.CON Team Consulting

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SAP-Berater: Der coolste Job nach Tourismusmanager und Bierbrauer

Neue Technik, viel Kommunikation und immer neue Herausforderungen: SAP-Berater haben einen abwechslungsreichen Job, der auch noch lukrativ ist. Was machen sie genau und welche Voraussetzungen braucht man für diesen Job? Und wo ist der Haken?

von Markus Kammermeier


Das Bild des modernen Beraters ist meist geprägt von US-amerikanischen Filmen wie Up in the Air aus dem Jahr 2009. George Clooney spielt hier den typischen Berater: immer auf Reisen, sehr smart und bei Bedarf ausgesprochen überheblich. Die FAZ fasst es treffend zusammen: "Kohle, Sex und fiese Typen". Vorurteile, die Berufseinsteiger eher abstoßen als anziehen. Dabei sind IT-Berater mitten drin in der Digitalisierung.

Bei der Verbindung von Geschäftsmodellen, Prozessen und IT nehmen die Softwareprodukte des deutschen Herstellers SAP eine Schlüsselrolle ein - und damit auch das Ökosystem aus Beratern bei SAP selbst und bei Partnerunternehmen. SAP-Berater sind daher besonders gefragt und besonders nah an den spannenden Entwicklungen dran. Ich arbeite schon seit Jahren als Berater, Personalleiter und Führungskraft in IT-Unternehmen und finde: Es gibt keinen besseren Beruf - außer vielleicht Bierbrauer und Tourismusmanager, die den Durst und das Fernweh stillen. Aber wie wird man eigentlich SAP-Berater und was macht man dann genau?

Fangen wir ganz vorne an und stellen uns einen jungen Menschen nach der Ausbildung vor. Sie (oder er) macht sich selbstständig. Das junge Unternehmen bietet den Ankauf und Verkauf von Autoteilen. Bei der ersten Bestellung beim Lieferanten schreibt sie eine kurze E-Mail, die Ware wird geliefert und der erste Verkauf kommt zustande. Für den ersten Kunden braucht sie den ersten betriebswirtschaftlichen Beleg und schreibt mit dem neuen Quittungsblock eine Quittung. Die Buchhaltung erfolgt in Form einer Schuhschachtel, die später zum Steuerberater gebracht wird. Das Business läuft!

Wenn Word und Excel nicht mehr reichen

Mit der Zeit werden es mehr Bestellungen und auch mehr Ware, die verwaltet werden muss. Es wird immer schwieriger, den Überblick über die Bestände zu behalten. Auch die Kundenkartei wird immer größer. Unsere Jungunternehmerin beschließt den Einsatz der wohl gebräuchlichsten IT-Werkzeuge der Welt: Word und Excel. In der Tabellenkalkulation werden die Bestände und Kunden geführt. Die Textverarbeitung dient als Werkzeug für die Kundenrechnungen - der Quittungsblock ist schon leer. Um die Arbeit für den Steuerberater zu erleichtern, wird eine kleine Software für die Buchhaltung eingeführt: einfache Einnahmen- und Ausgabenrechnung, ein paar Kostenstellen und einige Auswertungen machen die IT-Landschaft komplett.

Wenn das Unternehmen weiterwächst, sind die einfachen Werkzeuge früher oder später überfordert. Die Excelsheets werden zu lang; die Dokumente zu unübersichtlich und die Buchungen zu zahlreich. Zum ersten Mal kommt der Wunsch nach einer integrierten betriebswirtschaftlichen Lösung auf.

Warum braucht man IT-Berater?

Große Unternehmen und Konzerne stehen vor der gleichen Herausforderung: Einkauf, Bestandsführung, Verkauf, Finanzbuchhaltung, Controlling - ähnliche Prozesse wie bei unserer Einzelunternehmerin. Der entscheidende Unterschied ist die höhere Zahl an Transaktionen und beteiligten Personen. Dafür nutzen Unternehmen die integrierte betriebswirtschaftliche Gesamtlösung von SAP: die Business Suite, heute S/4 HANA. In ihr lassen sich all diese Geschäftsprozesse integriert, das heißt mit geteilten Stamm- und Bewegungsdaten in den verschiedenen Bereichen, umsetzen.

Dafür brauchen die Unternehmen ein ERP-System (Enterprise Resource Planning). Es ist die Basis der Geschäftsprozesse - und die Geschäftsprozesse sind der Kern ihres Handelns. Ohne Prozesse keine Produkte. Eine ERP-Software ist das Schmiermittel für die Unternehmen. Und SAP ist weltweit der erfolgreichste Anbieter dieser Systeme. Läuft doch! Oder?

Je nach Branche, Produkt oder Dienstleistung können die Prozesse in den Unternehmen sehr unterschiedlich ausfallen. SAP liefert mit seiner Software die Basis für die Umsetzung. Es ist Aufgabe der IT-Berater, die Prozesse des Kunden in der konkreten Software abzubilden.

Ein Beispiel aus der Welt unserer jungen Autoteileverkäuferin: Wir betrachten den Prozess Verkauf eines Teils an einen Kunden. Grundsätzlich wird etwas an den Kunden geliefert und der Kunde bezahlt dafür. Zunächst müssen IT-Berater diesen Prozess verstehen und hinterfragen: Welche Absatzkanäle werden genutzt? Kennen wir den Kunden? Gibt es auch Barverkauf an anonyme Kunden? Wie kommt der Preis zustande? Gibt es Rabattstaffeln? Welche Lieferwege gibt es? Werden Logistikdienstleister angebunden? Haben alle Teile eine Artikelnummer? Können Teile verkauft werden, die nicht auf Lager sind?

Eine Menge Fragen. Hier können IT-Berater ihre ganze Klasse ausspielen: Gute Berater helfen dem Unternehmen, seinen eigenen Prozess besser zu verstehen und zu verbessern. Sind diese Fragen - und damit der tatsächliche Geschäftsprozess - geklärt, wird dieser Prozess im System umgesetzt. Dafür werden Einstellungen getroffen, Schalter umgelegt, Parameter gesetzt und vielleicht sogar neue Software entwickelt. Gemeinsam mit dem Unternehmen werden diese Einstellungen getestet und der neue Prozess kann genutzt werden.

Was genau macht der Berater?

Die wichtigste Aufgabe des Beraters ist es, die richtigen Fragen zu stellen. Gemeinsam mit dem Kunden erarbeitet er oder sie, wie das IT-System bei der Erreichung der Unternehmensziele helfen kann. Dazu braucht er viel Erfahrung in den betriebswirtschaftlichen Prozessen und im verwendeten Softwaresystem.

Der Weg vom Unternehmensziel zum umgesetzten Geschäftsprozess geht über Workshops (gemeinsames Erarbeiten von Ergebnissen), das Schreiben von Konzepten (Fachpapiere), Implementierung (das Einstellen des Systems) und Tests. Immer arbeitet der Berater dabei eng mit dem Kunden zusammen, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.

Seine Aufgabe erfüllt der Berater alleine oder im Team. Alleine sind Berater in kleinen Optimierungsprojekten aktiv. Im Team lösen Berater große Optimierungsfragen, etwa zur schnelleren Lieferung, führen ein neues Modul oder ein ganzes SAP-System ein. Die komplette Einführung eines SAP-Systems dauert bei einem mittelständischen Unternehmen zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. Daran sind Teams von 5 bis mehr als 50 Personen beteiligt.

Was macht diesen Job so aufregend?

Das Spannendste sind wahrscheinlich die vielen neuen Herausforderungen. Selten läuft ein Tag nach dem gleichen Muster ab. Jeder Kunde hat eigene Herausforderungen und immer wieder können neue Ideen entwickelt und umgesetzt werden. Der Job erfordert viel Kommunikation - mit den Kunden und mit den Kollegen.

IT-Beratung ist ein Berufsfeld, das gerade im Zuge der digitalen Transformation enorm an Bedeutung gewinnt. Im Rahmen der Digitalisierung werden Prozesse neu gedacht, Arbeitsabläufe automatisiert und einzelne Systeme zunehmend vernetzt. Damit steigt die Komplexität der Lösungen. Die Unternehmen brauchen Personen, die diese gestiegene Komplexität beherrschbar machen. Im Alltag der SAP-Beratung äußert sich dies in den vergangenen Jahren auch durch den Zuwachs der verwendeten Technologien.

Noch vor zehn Jahren basierten die SAP-Systeme vor allem auf den Technologien ABAP - die hauseigene Programmiersprache der SAP - und JAVA. Durch die Erneuerung der Oberflächen in den vergangenen Jahren und Zukäufe der SAP beschäftigen sich auch die Berater und Techniker in der SAP-Welt mit Technologien wie Javascript, Native-SQL, HTML5 und Vorhersagemodellen. Das macht den Einstieg auch für Quereinsteiger zunehmend attraktiv. Bevor wir an dieser Stelle den Einstieg in die SAP-Beratung betrachten, zunächst noch die Frage: Ist der Job denn auch lukrativ?

SAP-Berater können gut verdienen

Im Jahr 2018 werden SAP-Berater in Projekten und durch Unternehmen händeringend gesucht. Das belegt auch ein Blick auf Freelancer- und Jobportale: Das Suchwort SAP liefert im Juni 2018 mehr als 11.000 Treffer auf Stepstone. Die Suche nach "JAVA" liefert zum gleichen Zeitpunkt nur 3.400 Treffer. Derzeit übersteigt die Nachfrage nach IT-Beratern, insbesondere rund um den Kontext SAP, das Angebot. In dieser Situation regelt der Markt die Entlohnung - Jobportale versprechen Gehälter von "90.000 Euro nach 5 Jahren". Freelancer können auch mehr als das Doppelte verdienen. Die Arbeit in der SAP-Beratung ist demnach durchaus lukrativ.

Doch Vorsicht - folgende Punkte sollten dabei bedacht werden:

  • Die Spitzengehälter werden für erfahrene Berater aufgerufen, das heißt Personen mit einschlägiger und mehrjähriger Projekterfahrung, die eine hohe Prozess- und Branchenexpertise erworben haben.
  • Freelancer arbeiten als Selbstständige, also selbst und ständig. Sie sind für ihre Verwaltung, ihre Rechnungsstellung, ihren Vertrieb und ihre Krankenkasse selbst verantwortlich.
  • Die Arbeit in der IT-Beratung ist selten ein 9-to-5-Job. Hohe Leistungsbereitschaft, ständige Weiterentwicklung und Reisetätigkeiten gehören zum Berufsbild. Zwei bis vier Tage pro Woche beim Kunden und 40 Reisestunden pro Monat sind durchaus normal.
  • Meist sprechen Beratungshäuser von Zielgehältern, bei denen ein Teil in Form von Individual- oder Team-Prämien vergütet wird. Diese Gehaltsbestandteile sind abhängig von der Leistung und der wirtschaftlichen Entwicklung.

Die Wege in der IT-Beratung verlaufen selten geradlinig und bieten viele Möglichkeiten für die weitere persönliche Entfaltung. Dementsprechend ist die Gehaltsentwicklung über die gesamte Karriere nicht zwangsläufig eine Gerade, die beständig ansteigt. Vielmehr richtet sich das Jahresgehalt häufig nach der aktuellen Tätigkeit und kann im Laufe einer beruflichen Entwicklung abhängig von der persönlichen Lebenssituation nach oben und unten schwanken.

In der SAP-Beratung können also hohe Gehälter erzielt werden - dazu braucht es Leistungsbereitschaft, Arbeitseinsatz und Beraterkompetenzen.

Grundlagen für SAP-Berater: Das muss man mitbringen

Der Einstieg und die Aufgaben in der IT- und SAP-Beratung sind vielfältig. Gleichwohl gibt es Basiskompetenzen, die jeder Berater für seine Aufgabe mitbringen sollte. Meiner Erfahrung nach sind die fünf wichtigsten:

  • Abstraktes Denken: die Fähigkeit, einen komplexen Sachverhalt schnell zu analysieren und Schlüsse daraus zu ziehen.
  • Kommunikation: Grundlagen der Kommunikation, um Gruppendynamik und Gesprächsablauf zu erkennen und darauf reagieren zu können.
  • Selbstbewusstsein: das Bewusstsein über die eigene Rolle, die eigene Person, eigene Schwächen und Stärken.
  • Transformation: Wissen über die Abläufe von Veränderungsprozessen und Methoden, um die Veränderung zu gestalten.
  • Leistungsbereitschaft: die Leidenschaft für die aktuelle Aufgabe oder das aktuelle Projekt, die es uns ermöglicht, über die 100 Prozent hinauszugehen - die berühmte Extrameile.

Fachliche Fähigkeiten fehlen in dieser Auflistung ebenso wie Prozess- und Branchen-Expertise. Im Vergleich zu persönlichen Kompetenzen können fachliche Fähigkeiten sehr schnell aufgebaut werden. Gerade durch die Arbeit in Projekten und die Lösung von Kundenherausforderungen gewinnen Berater über die Zeit Erfahrungen und Wissen. Es gilt, bei neuen Kunden das vorhandene Wissen auf die gegebene Situation zu übertragen.

Wichtig sind auch die Freude an Prozessen und der gemeinsamen Erarbeitung von Lösungen sowie eine grundlegende Affinität für Technik. In der SAP-Beratung gibt es zwei Wege, um sich der Lösung zu nähern: über den Prozess oder über die Technik. Berater mit wirtschaftlichem Hintergrund erarbeiten die Lösung häufig über den betriebswirtschaftlichen Prozess; Berater mit technischem Hintergrund erarbeiten die Lösung dagegen über die IT. Beide Wege führen zum Ziel. Im Projekt ist es wichtig, dass sich beide Herangehensweisen mit Respekt begegnen.

Doch wie kommt man denn nun in diese SAP-Projekte?

Einstieg, Umstieg, Aufstieg - Wege in die SAP-Beratung

Wie oben beschrieben, öffnet sich die SAP-Welt seit einigen Jahren für viele neue Technologien und Systeme. Dementsprechend wird das Berufsbild des SAP-Beraters vielschichtiger. Unter klassischen SAP-Beratern verstehen viele Modulberater für Finanzen, Logistik oder Controlling. Der Kern ihrer Tätigkeit liegt in der Abbildung der Prozesse für das konkrete Modul im System. Sie kennen sowohl die betriebswirtschaftlichen Prozesse als auch die Einstellungen im System für das betroffene Modul. Erfahrene Berater haben häufig selbst als Fachkraft im jeweiligen Modul gearbeitet: Der Sachbearbeiter im Einkauf entwickelt sich zum SAP-Berater für Logistik. Personen mit diesem Karriereweg können auf ihr Wissen aus der Praxis zurückgreifen. Das schafft schnelles Verständnis für die Realität der Kunden.

Beratungshäuser bieten Hochschulabsolventen auch den direkten Einstieg nach dem Studium an. Hier brauchen die jungen Berater (Junior Consultants) Geduld und Durchhaltevermögen. Die Einarbeitung in Prozesse und Technik braucht Zeit. Bis zum ersten eigenen Teilprojekt vergehen je nach Modul ein bis zwei Jahre.

Einige weitere Rollen in SAP-Projekten neben den klassischen Modulberatern:

  • Solution Architect
  • Prozess Architect
  • Technical Consultant
  • Integration Consultant
  • Project Manager
  • Change Manager
  • Oberflächendesigner

Das Bild von George Clooney als smarter Berater über den Lüften ist nur eine von vielen Facetten des Berateralltags. Die Ausgestaltung der Rollen ist stark abhängig vom jeweiligen Beratungshaus und dem verwendeten Vorgehensmodell. Interessenten sollten die Stellenausschreibungen verschiedener Beratungshäuser vergleichen und im persönlichen Gespräch die Inhalte der Stelle klären. In diesem Beruf bleibt es immer abwechslungsreich und herausfordernd. Grundsätzlich ist jede berufliche Karriere sehr individuell und verschiedene Häuser bieten ganz unterschiedliche Möglichkeiten. Viele sind mittlerweile glücklicherweise auch auf Berater mit Familie eingestellt. Wer Genaueres wissen möchte, sollte den Kontakt zu Freunden, Bekannten oder Kommilitonen suchen. Manche Unternehmen bieten auch die Möglichkeiten, in den Job reinzuschnuppern.

Interne und externe Berater werden in den nächsten Jahren weiterhin stark gefragt sein. Der Einstieg in die Beratung steht vielen Abschlüssen offen. Einsteiger brauchen Geduld und Leistungsbereitschaft, um die notwendige Erfahrung und Kompetenz aufzubauen. Die Klaviatur der Aufgaben bleibt im Alltag vielfältig: Von der technischen Integration bis zur Strategieentwicklung stehen viele Felder offen. Immer mit dem Ziel, durch die Umsetzung der Projekte die Klienten fit für die kommende Zeit aufzustellen. Und damit sind auch Berater Mitgestalter der digitalen Zukunft.


Autor: Markus Kammermeier

Solution Architect Digitalisierung HR

Markus Kammermeier ist seit über 10 Jahren bei der T.CON GmbH & Co. KG tätig. Transformation von IT und HR zu innovativen Business-Lösungen - das ist seine Aufgabe als  Business Coach und Solution Architect für die Digitalisierung. Das Ziel ist es, Personalarbeit noch wirksamer für die gesamte Organisation zu gestalten. Als IT- und HR-Experte bringt er Prozesse, Technik und Menschen zusammen und begleitet den Prozess der Digitalen Transformation.

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